Aktionsbündnis für faire Verlage

Bestandsanalyse und Ziele

Bestandsanalyse und Ziele

Es wird in den letzten Jahren zunehmend – und so lässt sich sagen auch immer streitbarer – um junge Autoren geworben. Zu einer Zeit, in der soviel publiziert wird, wie noch nie, werben sog. Druckkostenzuschussverlage bzw. Selbstzahlerverlage um das Geld von Autoren. Es gibt wohl keinen Autorenverband, der nicht mit diesen Problemen, die gemeinhin als „Bauernfängerei“ und „Abzocke“ bezeichnet werden, konfrontiert wird. Manche solcher Verlage führen gar Abmahnungen, Klagen, Abnehmerverwarnungen und Strafanzeigen gegen Kritiker durch und treten in einem bedenkenswürdigen Maße auf dem Literaturmarkt auf. Sie stellen fingierte Anfragen an Autorenverbände, zeichnen heimlich Telefonate auf und bringen Kritiker zum Schweigen. Schriftsteller, die das Wort erheben, werden verklagt, eingeschüchtert und in finanzielle Notlagen gebracht. Es herrscht in weiten Teilen der Branche eine Situation der Angst und des Misstrauens vor – geschürt von – wohlgemerkt – einigen dieser Verlage.

Diese Entwicklungen betrachten die in diesem Aktionsbündnis organisierten Autorenverbände sowie eine große weitere Schar Schriftstellern und Verlegern im gesamten deutschsprachigen Raum mit größter Besorgnis. In dem „Aktionsbündnis für faire Verlage (Fairlag)“ haben sich deshalb deutsche, österreichische und schweizerische Autorenverbände zusammengeschlossen, um ein deutliches Zeichen gegen diese Verlage zu setzen. Diese Allianz verspricht eine gezielte Aufklärung junger Autoren und der Öffentlichkeit und möchte jungen Autoren die trügerische Illusion eines einfachen und schnellen Bucherfolgs, wenn sie dafür Geld zahlen, nehmen.

Dabei mag es viele Gründe geben, dass sich das Problem der Druckkostenzuschussverlage seit einigen Jahren zu einem ernsthaften Problem der Literaturbranche entwickelt hat, für die als abschreckende Beispiele auch die Literaturbranche in den Ländern Italien, Großbritannien und den USA steht. So mag zum einen ein gewachsener Wettbewerbsdruck zwischen den betreffenden Verlagen hierzulande, die in den letzten 20 bis 25 Jahren und gerade gegen Ende der 90er Jahren eine breite Gründungswelle erlebten, bestehen. Im deutschsprachigen Raum sind mehrere Dutzend derartige Verlage bekannt, von denen werben ein halbes Dutzend besonders stark und teilen sich den größten Teil des Marktes unter sich auf.

Und es gibt diesen Markt. Insider schätzen den Umsatz von den „Marktführern“ auf mehrere Millionen Euro. Renommierte Publikumsverlage feiern schon fünf Prozent Umsatzrendite, Zuschussverleger können mit Renditen zwischen 25 und 30 Prozent rechnen. Manche kommen auf jährliche Betriebsergebnisse von einer halben Million Euro vor Steuer.[i]

Diese Zahlen verdeutlichen die enorme Dimension, wie mit den Hoffnungen von Autoren Geschäfte gemacht werden. Besonders widersprüchlich angesichts dieser Gewinne lassen sich die Aussagen einiger dieser Verlage vernehmen, die gegenüber Autoren behaupten, dass für das jeweilige Manuskript aufgrund angeblicher Verlagsfinanzierungen keine Finanzmittel mehr für sie bereitstünden. Der Autor muss deshalb selbst einen „Zuschuss“ zahlen. Tatsächlich zahlt nicht nur jeder einen „Zuschuss“, sondern alles komplett.

Beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels gehen jedes Jahr zahlreiche Beschwerden über solche Verlage ein. Die Staatsanwaltschaften lehnen zumeist die Einleitungen von Ermittlungsverfahren ab, da das Verhalten der Verlage „von den abgeschlossenen Verträgen“ gedeckt sei. Wenn Autoren diese Verträge unterzeichnen, ist den Verlagen jedenfalls strafrechtlich meist nicht entgegenzutreten.

Der Glaube, dass sich eigentlich gemeinhin herumgesprochen haben müsste, dass es sich bei diesen Verlagen um „Bauernfängerei“ handelt, ist leider eine Illusion. Zwar wird das Thema nicht nur in Fachkreisen als ein ernsthaftes Problem erkannt. Aber offenkundig ist die Botschaft bei allen jungen Autoren, Quereinsteigern und Hobbyautoren, an die sich genau diese Werbeaussagen richten, noch nicht angekommen. Und es ist ihnen meist gar nicht zu verdenken, als Neulinge in der Literaturbranche und von dem schönen Schein einer schnellen Buchveröffentlichung geblendet, die vielfältigen Kontaktversuche dieser Verlage zu erwidern. Verheißungsvoll prangt es in den Anzeigenrubriken führender Tages- und Wochenzeitungen: „Neue Autoren gesucht“ und „Verlag sucht Autoren“.

Das kritikwürdige Geschäft fängt dort an, wo sich Autoren nicht auch der Risiken bewusst sind und nicht realistisch diesen „Verlockungen“ in die Augen sehen.

Und die Gefahr fängt spätestens dort an, wo nicht mehr offensichtlich ist, ob den Autoren eine zuverlässige Hilfestellung von unabhängigen Stellen gegeben wird. So sind Verflechtungen mit angeblich unabhängigen Autorenvereinen und Literaturgesellschaften mit Druckkostenzuschussverlagen deutlich zu beklagen. „Unabhängige“ Stellen empfehlen zu den „eigenen Verlagen“. Welche Chance haben unerfahrene Autoren, wenn Sie in Zeitungsanzeigen „Autorenhotline“ oder „Rat in allen Autorenfragen“ lesen?

Ein Verdrängungswettbewerb zwischen den betreffenden Verlagen hat längst stattgefunden. Aber auch eine Expansionswettbewerb, bei dem der Markt noch weiter und auf immer skandalöseren Methoden erschlossen wird. Es wird von den Verlagen selbst von einem Wachstumsmarkt gesprochen. Prominente Autoren werden in die Irre geführt, um ihre Beiträge für den Kundenfang junger Autoren einzusetzen. Verlagsgaben suggerieren den Erfolg junger Autoren, wenn sie in dem Verlag publizieren.

Die Hoffnung, das Problem mit den Druckkostenzuschussverlagen würde sich mit Aufkommen des digitalen (und weitaus preisgünstigeren) Verlagswesens (Print-on-Demand) nach und nach in Wohlgefallen auflösen, muss dabei leider als ein Irrglaube entlarvt werden. Zwar haben einige Zuschussverlage in den letzten Jahren auch ihr Geschäft aufgegeben, etwa der besonders umstrittene Tebbert-Verlag aus Münster, gegen den mehrere Strafverfahren wegen Betrugs anhängig waren (das Verlegerehepaar wurde zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt). Es wird berichtet, dass Bücher gar nicht über den Buchhandel erhältlich waren, oder in einem katastrophalen Zustand mit Fehlern gedruckt worden sind. Doch andere Zuschussverlage locken in kaum da gewesenem Ausmaß junge Autoren weiterhin durch Werbekampagnen an.

Das Internet hat es den Zuschussverlagen leicht gemacht, an neue »Opfer« zu kommen. In einschlägigen Verbrauchercommunities und Autorenforen werden Anzeigen geschaltet und nicht nur das: Autoren von Literaturforen, wie etwa des Literatur-Cafés erhielten bereits unangeforderte Angebote und wurden für ihre „großartigen literarischen Werke“ im Internet gelobt, um sie derart anzuwerben.[ii] Noch nie war es so einfach, den direkten Kontakt zu den potentiellen Interessenten aufzunehmen. Noch nie war es so einfach, unerfahrene und im Internet Rat suchende junge Autoren für sich anzuwerben.

Es gibt sicherlich Leute mit genügend Geld, die sich bewusst mit solchen Verlegern einlassen. An sie richtet sich das Engagement der beteiligten Autorenverbände nicht.

Es soll in einer freien Marktwirtschaft nicht darüber geurteilt werden, wer sein Geld wo ausgibt.

Doch eine völlig andere Qualität hat es, wenn unerfahrene Autoren von den Verlockungen geblendet werden und wenn mit verblüffend ähnlichen Verlagsnamen jungen Autoren Schein vorgespielt wird, der eine Illusion ist. Jungen Autoren ist oft nicht klar, welche Risiken das Veröffentlichen in einem solchen Verlag beinhaltet und was für Geschäfte mit dem Abschluss eines Zuschussverlagsvertrags unterstützt werden. Es hat eine völlig andere Dimension, wenn Unerfahrenheit ausgenutzt wird, Hoffnungen geschürt und scheinbar „seriöse“ Autorentipps von angeblich „unabhängigen“ Institutionen gegeben werden.

Die Autorenverbände weisen daher als Interessenvertreter für Autoren darauf hin: Zuschussverlage kehren das Verlagsprinzip um.

In Deutschland gibt es anerkannte vertragliche Mindeststandards an Vergütungsregeln für Autor(inn)en belletristischer Werke, die generelle Gültigkeit haben. Statt den Autor für seine Leistung zu bezahlen, zahlt der Autor bei Zuschussverlagen jedoch selbst. Dies ist so, als ob ein Bäcker dem Kunden auch noch Geld dafür bezahlt, wenn dieser ihm eine Tüte Brötchen oder ein Brot abnimmt.


[i] Der Spiegel: „Mit Herzblut in den Ruin“ vom 28.8.2000.

[ii] »…sehen wir gute Chancen für eine Veröffentlichung.« Wie Zuschussverlage im Internet schnell neue Opfer finden, http://www.literaturcafe.de/bf.htm?/berichte/abzocke.shtml.