„Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit oder Schwäche."
René Descartes

englisch

Das Aktionsbündnis für faire Verlage

63 Autorenverbände und andere Literaturinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich zu einer gemeinsamen Initiative für mehr Fairness im Verlagsbetrieb zusammengeschlossen und machen mit dem "Aktionsbündnis für faire Verlage (Ak Fairlag)" unmissverständlich auf Missstände im Verlagswesen aufmerksam, die einseitig zu Lasten der Autoren gehen.

Kernstück des Aktionsbündnisses ist eine ausgearbeitete Fairlag-Erklärung „Gefahren einer Veröffentlichung in sog. Druckkostenzuschussverlagen / Selbstzahlerverlagen und Pseudoverlagen“, die von einer Vielzahl von weiteren Literatureinrichtungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum unterzeichnet worden ist. Damit unterstreichen diese Einrichtungen ihre Sympathien für das Engagement der Autorenverbände.

Das „Aktionsbündnis für faire Verlage (Ak Fairlag)“ setzt sich für eine faire Behandlung von Autoren durch die Verlage ein. Damit richtet es sich gegen solche Verlage, die das Verlagsprinzip umkehren und das unternehmerische Verlagsrisiko einseitig auf die Autoren abwälzen und damit als „unseriös“ bekannt sind.

Diese Verlage sind für Autoren äußerst nachteilig:
Autoren zahlen bei diesen Verlagen bis zu fünfstellige Eurobeträge für eine Buchveröffentlichung. Den Verlagen ist der Ruf anheim, unzureichende Lektoratsarbeit zu leisten. Dazu heißt es in der Fairlag-Erklärung:

„Selbst durch einen Online-Gedichte-Generator erzeugte Manuskripte (vgl. ZDF-Sendung WISO vom 19.12.2006) wurden bereits angenommen, als „eindeutig empfehlenswert“ (unter Beilegung des Kostenangebots) eingestuft und zur Veröffentlichung empfohlen.“

Für den Buchhandel sind diese Veröffentlichungen ebenso uninteressant und werden im Handelsregal nicht ausgelegt. Seriöse Zeitungen haben i.d.R. kein Interesse an der Rezension solcher Veröffentlichungen. Und wer in diesen Verlagen ausschließlich publiziert, ist für eine Mitgliedschaft in vielen Autorenverbänden, etwa dem „Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di“, der Gewerkschaft der Literaten, ausgeschlossen. Über diese Tatsachen klären die betreffenden Verlage jedoch nicht auf. Hinzu kommt, dass sich die Verlagsverträge vielfach durch katastrophale Klauseln auszeichnen.

"Zwischen dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. sind Musterverträge für Autoren und Verleger vereinbart worden, die eine sichere Orientierung für mehr Fairness im Verlagsvertragsrecht bieten. Diese Normverträge finden Sie auf der Webseite vom Verband deutscher Schriftsteller. "- den Mustervertrag der Schweiz finden Sie beim Autorinnen Autoren der Schweiz (AdS), Informationen zu Österreich gibt es hier."

Die in dem „Aktionsbündnis für faire Verlage (Fairlag)“ organisierten Verbände betonen ausdrücklich, dass es ihnen nicht darum geht, die unterschiedlichen Buchfinanzierungsmodelle auf ihre moralische Vertretbarkeit hin zu überprüfen. Auch ist eine Veröffentlichung in einem Druckkostenzuschussverlag völlig unabhängig von der literarischen Qualität der Publikation zusehen.

Es heißt:
„Dabei weisen die Unterzeichner darauf hin, dass eine Veröffentlichung in einem Druckkostenzuschussverlag völlig unabhängig von der literarischen Qualität der Publikation zu sehen ist. Es geht also darum, dass ein Autor, der nicht bei einem renommierten Publikumsverlag angenommen wird und deshalb in Kauf nimmt seine eigene Publikation zu bezuschussen, noch lange kein schlechter Autor ist. Allerdings machen sich die von uns kritisierten Verlage den Veröffentlichungswunsch eines Autors willkürlich zu Nutzen. Dies stößt auf unmissverständliche Kritik.“

Diese Kritik gilt umso mehr, wenn ein organisatorisches Umfeld von Verlagen geschaffen worden ist, bei dem scheinbar unabhängige Einrichtungen an die Verlage empfehlen und sich als unabhängige Instanzen für junge Autoren darstellen. Dazu heißt es in der Fairlag-Erklärung:

„Noch problematischer stellt sich die Situation dar, wenn dazu ein organisatorisches Umfeld geschaffen worden ist (vgl. Landgericht Frankfurt am Main vom 17.5.2005, Az: 2-03 O 730/04), in dem jungen und unerfahrenen Autoren die kostenpflichtige Veröffentlichung in solchen Verlagen empfohlen wird. Ähnlich funktioniert ein sogenanntes „freies Portal für Autoren“ im Internet, auf dem für selbstfinanziertes Publizieren in diesen Verlagen geworben wird, das aber dem Inhaber der beworbenen Verlage selbst gehört. Ferner fällt es Neulingen im Literaturbetrieb naturgemäß schwer zu beurteilen, welche Absichten hinter einem angeblich unabhängigen Schriftstellerverein stehen, der in großen Tages- und Wochenzeitungen Anzeigen schaltet und kostenlose Beratungen in Urheberrechts- und Vertragsfragen anbietet, der jedoch über kaum Mitglieder im Vergleich zu etablierten Autorenverbänden verfügt.“

Die beteiligten Autorenverbände sehen es als ihre Pflicht an, junge und unerfahrene Autoren auf die Problematik der Folgen für ihre beabsichtigte und/oder weitere schriftstellerische Tätigkeit sowie die breite Öffentlichkeit auf die problematische Qualität der Verlagsprodukte aus Druckkostenzuschuss-/ Selbstzahlerverlagen und Pseudoverlagen aufmerksam zu machen. Sie verurteilen die zum Teil vorherrschenden Geschäftspraktiken dieser Verlage.

Die Autorenverbände können nur ausdrücklich davor warnen, für Buchpublikationen bei solchen Verlagen Geld auszugeben.

Sie stellen klar:

„Das Verhältnis der Autoren zu ihren Verlegern und Lesern, die Errungenschaften von Autoren- und Verlagsrechten sowie von professioneller Verlagsarbeit und qualifizierten Produkten dürfen nicht durch Spekulationen dieser Verlage, die auf der Unerfahrenheit ihrer Autoren beruhen, von solchen Unternehmen aus den Angeln gehoben werden.“

AdS Autorinnen & Autoren der Schweiz - Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. - IG Autorinnen Autoren - Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di